Neue Wege, neue Märkte: Gebrüder Weiss und der „China + One“-Shift
Leistungsfähig, gut vernetzt, modern und ganz nahe an den Kunden: Damit befindet sich Gebrüder Weiss in der Luft- und Seefrachtspedition auf Wachstumskurs. Der neue COO Air & Sea + Overseas richtet den Fokus auf prosperierende Märkte in Zentralasien, Südostasien und weiteren Wachstumsregionen.
In seine Zuständigkeit fallen 1.900 Mitarbeitende an Standorten in 35 Ländern. Damit gehöre man zu den eigentümergeführten Mittelständlern mit einer gehobenen Größe in der globalen Luft- und Seefrachtspedition, befindet Alessandro Cacciola. Der 49-jährige Logistikmanager bekleidet seit März die Funktion als COO Air & Sea + Overseas bei Gebrüder Weiss. Das Vorarlberger Familienunternehmen hat im Jahr 2025 weltweit rund 81.000 Tonnen Luftfracht und 198.000 TEU Seefracht spediert. Dafür bringen seine Spezialisten „International Reach & Personal Touch“ ebenso unter einen Hut wie die physische mit der digitalen Kompetenz.
Daran bestehe ein beträchtliches Kundeninteresse, ist Alessandro Cacciola überzeugt. In seinen Augen agiert Gebrüder Weiss modern, agil und menschlich. Damit hat der Geschäftsbereich Air & Sea + Overseas im Geschäftsjahr 2025 mehr als 900 Mio. EUR Umsatz erzielt. Das entspricht etwa einem Drittel der Gesamtleistung des Transport- und Logistikdienstleisters mit aktuell rund 8.600 Mitarbeitenden an 180 Standorten. Man werde in der Luft- und Seefracht schon sehr bald die Schallmauer von 1 Mrd. EUR Jahresumsatz durchbrechen, lautet das Credo der Geschäftsleitung. Dafür und für den Erhalt der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit digitalisiert das Unternehmen zahlreiche Prozessschritte.
Für Gebrüder Weiss bleibt der persönliche Kundenservice dabei immer ein entscheidender Faktor. Der Kontakt zum Kunden wird auch in Zukunft von Menschen gestaltet. Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung im Hintergrund dafür, dass die Mitarbeitenden schneller auf relevante Informationen zugreifen, Zusammenhänge besser erkennen und Kundenanfragen noch effizienter beantworten können. Digitale Unterstützung schafft damit mehr Zeit für das Wesentliche: den persönlichen Austausch mit den Kunden, eine noch bessere Beratung und eine stärkere Customer Experience. Bei Gebrüder Weiss nennt man diesen Ansatz „Best of Both Worlds“: die persönliche Nähe zum Kunden kombiniert mit den Möglichkeiten digitaler Technologien.
Der Ansatz der „radikalen Akzeptanz“ prägt Alessandro Cacciolas Leadership-Mindset. Entwicklungen, sei es geopolitischer Natur oder sonstige Einflussfaktoren, welche die Gegenwart beeinträchtigen und die ein Unternehmen nicht beeinflussen kann, gilt es demnach zunächst als Realität anzunehmen – ohne zu klagen oder zu lamentieren. Entscheidend sei vielmehr, gemeinsam mit dem Team schnell zu handeln. „Es gehört zu unserem täglichen Geschäft, rasch flexible Lösungen für die Bewältigung von unerwartet auftretenden Problemen zu finden“, betont der GW-Manager im Gespräch mit der Zeitschrift LogEASTics.
Der Markt ist weiterhin von stark fragmentierten und zunehmend diversifizierten Lieferketten geprägt. Aus dem Streben der Industrie nach mehr Resilienz werden Produktions- und Beschaffungsstrukturen breiter aufgestellt – sei es im Rahmen von „China + One“, durch Nearshoring oder durch die Erschließung weiterer Produktionsstandorte. Dadurch entstehen neue Warenströme, Verkehrsachsen und logistische Knotenpunkte. Neue Märkte entwickeln sich und mit ihnen der Bedarf an flexiblen und verlässlichen Transportlösungen. Für Gebrüder Weiss bedeutet das, diese Entwicklung eng mit Kunden, aber auch darüber hinaus kontinuierlich zu beobachten und mitzugestalten.
Der Logistikkonzern will dort präsent sein, wo sich neue Märkte und Warenströme entwickeln, um den Kunden die entsprechenden Lösungen anbieten zu können – von alternativen Transportwegen bis hin zu neuen logistischen Konzepten. Dazu zählt Alessandro Cacciola Vietnam, Malaysia, Thailand, Indonesien und Mexiko. Nicht zu vergessen sind die Philippinen mit ihren historisch engen Wirtschaftsbeziehungen zu den USA. Das bewirke ein gewisses Maß an Sicherheit bei den Zöllen, die sich auf anderen interkontinentalen Routen bremsend auf den Warenverkehr auswirkten. Ein weiteres Beispiel dafür ist die zunehmende Bedeutung neuer Verkehrsachsen zwischen Asien und Europa. Der Mittlere Korridor ist eine solche Verbindung, die durch die veränderten Warenströme an Bedeutung gewinnt.
Es liegt für den GW-Manager auf der Hand, „dass wir uns in den genannten Ländern und auch in der Türkei zukünftig stärker positionieren werden“. Als vielversprechende Verkehrsachse hebt Alessandro Cacciola den Mittleren Korridor von China über Kasachstan und Georgien nach Europa hervor. Dort trete man jetzt schon mit Lösungen in Aktion, die vom Einsatz von Ganzzügen von Asien nach Europa bis hin zur jüngst eingerichteten Sammelgutlinie von China nach Georgien per Lkw reichen. Hier sieht er ein Alleinstellungsmerkmal von Gebrüder Weiss gegeben, da solche flexiblen Lösungen in diesen Märkten eher die Ausnahme als die Regel bilden. Für die nahe Zukunft kündigt er eine „Süd-Variante“ des Mittleren Korridors an. Ihr Routing führt durch Usbekistan. Dafür und für einen starken Auftritt in der Black Sea Region wurde in den letzten Jahren eigene Niederlassungen im Kaukasus und in Zentralasien aufgebaut. „Wir sind bereits vor Ort und können unseren Kunden die komplette Bandbreite an logistischen Lösungen anbieten.“
Gelassen reagiert Alessandro Cacciola auf die von einigen Containerreedereien eingeläutete Phase der vertikalen Integration. Er bezeichnet das wörtlich „als logische Entwicklung in einem komplexen Markt“. Allerdings bevorzugten die meisten Kunden in der Transportlogistik die Zusammenarbeit mit neutralen Partnern ohne die Bindung an bestimmte Carrier und Häfen. Die damit verbundene Flexibilität bewirke definitiv Vorteile für die verladende Wirtschaft. Hierzu leiste Gebrüder Weiss gerne einen aktiven Beitrag. „Die Ware findet immer einen Weg. Indem wir ständig neue Transportwege prüfen, entwickeln und vermarkten, ergeben sich für unsere Kunden laufend neue Chancen zur Differenzierung im globalen Wettbewerb“, verspricht Alessandro Cacciola.
Dieser Beitrag erschien am 15.10.2026 in Heft 10/2026 der Zeitschrift LogEASTics der Österreichischen Verkehrszeitung.
Über Gebrüder Weiss
Die Gebrüder Weiss Holding AG mit Sitz in Lauterach (Österreich) ist ein weltweit agierender Full-Service-Logistiker mit rund 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 180 firmeneigenen Standorten. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 2,72 Milliarden Euro (2025). Zum Portfolio gehören Transport- und Logistiklösungen, digitale Services und Supply Chain Management. Die Kombination aus digitaler und physischer Kompetenz ermöglicht es dem Konzern, schnell und flexibel auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Mit einer Vielzahl an ökologischen, ökonomischen und sozialen Maßnahmen gilt das Familienunternehmen, dessen Geschichte im Transportwesen mehr als 500 Jahre zurückreicht, heute auch als Vorreiter in puncto nachhaltiges Wirtschaften. www.gw-world.com