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CZ: "Superstrategie" im Verkehrswesen geplant


03.2011
Im tschechischen Verkehrswesen soll sich Grundlegendes ändern. So plant es zumindest der tschechische Verkehrsminister Vít Bárta.

Neben einem systematischen Ausbau der wichtigsten Routen sowohl im Straßen- als auch im Schienenverkehr will Bárta vor allem den Gütertransport reformieren. So plant er eine dramatische Anhebung der Lkw-Mauttarife sowie die Stärkung der Konkurrenz im Schienengüterverkehr. Dass sich Bárta damit im eigenen Land nicht nur Freunde macht, ist klar, der Minister will jedoch an seinen Verkehrsplänen fest halten.

Anfang 2011 stellte Bárta seine Pläne für den weiteren Ausbau der tschechischen Verkehrsinfrastruktur der Öffentlichkeit vor. Die sogenannte "Superstrategie" ist auf die kommenden 15 Jahre bis 2025 ausgerichtet. Zu den wichtigsten Projekten dieser Strategie zählen unter anderem die Fertigstellung der Autobahn D3 zwischen Tábor und Budweis, der Ausbau des Prager Autobahnringes, die Vollendung der Schnellstraße R35 zwischen Nordböhmen und Mähren sowie die Verbreiterung der Hauptverkehrsader des Landes, der Autobahn D1 von Prag nach Brünn.

Engere Verbindung von Straße und Schiene
Nach Bártas Vorstellung soll der Verkehr in Tschechien künftig stärker als bisher vernetzt werden, dabei schwebt ihm eine engere Verbindung von Straße und Schiene vor. "Derjenige, dem es als ersten gelingt, die logistischen Transportabläufe in einer engeren Symbiose von Straße und Bahn zu steuern, hat auf dem logistischen Markt die große Chance, für eine Revolution zu sorgen", bemüht Bárta gegenüber tschechischen Medien reformerisches Pathos.

Einen ersten Schritt in diese Richtung will Bárta mit einer systematischen Erhöhung der Lkw-Mautgebühren setzen. So wurde die Lkw-Maut per Jänner 2011 gleich um 25 Prozent angehoben, derselbe Anstieg soll auch Anfang 2012 auf die Frächter zukommen. Im Gegenzug wurden die Gebühren zur Nutzung des Schienennetzes für den Güterverkehr um elf Prozent gesenkt. Weitere Senkungen sind laut Bárta vorgesehen.

Diese Maßnahmen sorgten naturgemäß für Aufruhr unter den tschechischen Spediteuren. Nach Ansicht des tschechischen Lkw-Frächterverbandes Cesmad Bohemia müssen sich die verteuerten Transportkosten zwangsläufig in einem Anstieg der Preise für Kunden auswirken. Damit stoßen die Frächter aber auf strikten Widerstand seitens des Verkehrsministers. Bei einem Anstieg der Tarife könnte es laut Bárta zu einer Neubewertung der Verträge kommen, die der Minister mit der Frächterbranche ausgehandelt hat.

Als Kompensation für die erschwerten Bedingungen wurden den Frächtern laut der Vereinbarung mit dem Verkehrsministerium eine Kompensationszahlung in Höhe von umgerechnet ca. zehn Millionen Euro zugestanden. Zudem will Bárta bis Juli dieses Jahres der Regierung einen Entwurf für die Einführung von Mengenrabatten vorlegen. Gelten könnten diese ab Jänner 2012.

Die Chinesen sollen kommen
Für gehörige Aufregung sorgt auch ein weiterer Plan in Vít Bártas Verkehrsstrategie. Um die geplante Kostenreduktion beim Autobahnbau bewerkstelligen zu können, will er Konkurrenz aus dem Ausland in tschechische Infrastrukturprojekte einbinden. Hierbei sollen vor allem chinesische Baufirmen zum Zug kommen. Vorgesehen ist eine derartige Kooperation vorerst in Form eines Pilotprojektes beim Ausbau der Autobahn D8 Richtung Dresden. In Polen sorgte ein ähnliches Modell dafür, dass der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur mit nahezu um 50 Prozent verringerten Kosten durchgeführt werden konnte.

Nach den Vorstellungen Bártas soll die chinesische Konkurrenz die Preise auf den tschechischen Markt drücken. Zudem will er der Vetternwirtschaft unter den tschechischen Bauunternehmen Einhalt gebieten. Experten kritisieren schon seit längerem, dass der Autobahnbau im Land zu teuer sei. Ein ambitioniertes Programm, das sich der tschechische Minister vorgenommen hat. Weitere Konflikte mit den Frächtern und der Baubranche sind absehbar.