Zur Erstellung des Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa der OeKB (Österreichische Kontrollbank) werden rund 400 Headquarters, die von Österreich aus rund 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, befragt. Im April fand die mittlerweile neunte Erhebung der CEE-Stimmung statt. Der Geschäftsklima-Indikator ist danach
zwischen Januar und April 2009 um 5 Prozentpunkte auf einen Saldenwert von minus 15 gesunken. Zum Vergleich: Zwischen Oktober 2008 und Jänner 2009 fiel dieser Indikator um 39 Prozentpunkte, teilt die OeKB mit.
Die Geschäftserwartungen sind schon weniger pessimistisch, der diesbezügliche Saldenwert (positive abzüglich negativer Stellungnahmen) hat sich im April 2009 gegenüber Jänner um neun Prozentpunkte verbessert. Dieser zarte Silberstreif am Horizont kann allerdings noch nicht als eine wirtschaftliche Trendwende in Mittelosteuropa interpretiert werden.
Entsprechend der schwierigen Wirtschaftssituation wird die aktuelle Geschäftslage der MOE-Betriebe von den Erhebungsteilnehmern alles andere als rosig beurteilt. Konkret wird für fast ein Drittel der CEE-Niederlassungen ein schlechter Geschäftsgang gemeldet. Dementsprechend ist der Saldenwert für die aktuelle Geschäftslage von plus 15 Prozentpunkten im Jänner auf minus sechs Prozentpunkte im April gesunken. Dieser Rückgang um 21 Prozentpunkte ist jedoch deutlich weniger ausgeprägt als die Veränderung zwischen Oktober 2008 und Jänner 2009, als ein Rückgang der vergleichbaren Saldenwerte um 33 Prozentpunkte zu verzeichnen war.
Ein genauerer Blick auf die Länderergebnisse zeigt ein differenziertes Bild: Obwohl sich die Gesamtregion Mittelosteuropa in einer Wirtschaftskrise befindet, herrscht dennoch nach Ansicht der befragten Unternehmen in Polen, Tschechien, der Slowakei und in Slowenien ein durchaus zufriedenstellendes Geschäftsklima. Ganz anders stellt sich die Situation in Russland, Bulgarien, der Ukraine und Ungarn dar. Zum einen hat sich dort die aktuelle Geschäftslage gegenüber Jänner 2009 stark verschlechtert, zum anderen sind die Geschäftsperspektiven für die kommenden sechs Monate insbesondere für Bulgarien und Ungarn deutlich negativ. In allen vier Ländern - vor allem in der Ukraine und in Russland - sind die Erwartungen der Unternehmen aber insgesamt weniger pessimistisch als noch zu Jahresbeginn.
Während sehr konjunkturabhängige Branchen wie der Bausektor, die Industrie, die Immobilienwirtschaft und der Verkehrsbereich ein eher trübes Geschäftsklima aufweisen, herrscht in Branchen wie Business Services (Unternehmensberatungen, Architektenbüros, EDV-Dienstleistungen, etc.) und in der Versicherungs- sowie der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft ein relativ gutes Stimmungsbild.
Vor allem die Versicherungen sind mit ihrer aktuellen Geschäftssituation sehr zufrieden. 61 Prozent melden gut gehende Geschäfte und beurteilen damit ihren Geschäftsgang sogar deutlich besser als noch im Jänner (37 Prozent positive Stellungnahmen). Aus keinem einzigen Standort ist ein Kapitalabzug geplant. Anhaltend expansionsfreudig zeigt sich auch die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft: 23 Prozent der Unternehmen aus diesem Sektor wollen in den kommenden zwölf Monaten in neue Märkte vordringen. Anders die Immobilienwirtschaft, die ihren Rückzug aus der Region fortsetzt: Bei 31 Prozent der Immobilienunternehmen wird es zu einem Abfluss von Direktinvestitionskapital aus der Region kommen.