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Investorenvertrauen in Russland auf Talfahrt


03/2009
Ausländische Investoren in CEE blicken wegen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise wesentlich pessimistischer in die Zukunft als bisher.

Laut dem „Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa” setzte  der Vertrauensverlust in die russische Wirtschaft bereits am Anfang der Finanzkrise ein. Als ein Grund für den zunehmenden Pessimismus gilt die starke Abhängigkeit des Landes von der Erdölindustrie. Die Einnahmen daraus waren in der Vergangenheit ein wesentlicher Wachstumstreiber.

Der Verfall des Ölpreises zeigt die negativen Seiten der Abhängigkeit auf. Der Anteil der negativen Konjunkturbeurteilungen unter den 400 befragten Entscheidungsträgern, die von Österreich aus ihre CEE-Beteiligungen steuern, war Ende 2008 erstmals höher als jener der positiven Nennungen. Im Juli 2008 herrschte bezüglich Russland noch der größte Konjunktur-Optimismus. Damals wurde das Land als zweithäufigste Zieldestination für Investitionen genannt. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise rutschte es nun auf den 7. Platz ab. Nur acht der insgesamt 110 in Mittelosteuropa geplanten Neuinvestitionsprojekte sollen in Russland realisiert werden, so der Geschäftsklima-Index.

Vor dieser zunehmend schwieriger werdenden Wirtschaftslage kommt der Einschätzung von Länderrisiken eine immer größere Rolle zu, so die Kreditversicherung Prisma. Auch sie schätzt unter anderem die Situation in Russland als besonders heikel ein. Zwar wurde das Land bisher im Gegensatz zu vielen anderen CEE-Staaten noch nicht abgestuft, die wirtschaftliche Lage sei aber angespannt. Das Land hat mit dem Rating "C" die zweitschlechteste Einstufung des Versicherers auf der sechsstufigen Skala. Unter den aktuellen Entwicklungen können sich die Risikostufen einzelner Länder rasch verändern, was besonders für österreichische Exporteure eine wichtige Rolle, etwa für die Finanzierung oder Absicherung von Ausfuhren, spielt. Das russische Wirtschaftswachstum dürfte sich heuer erstmals nach mehreren starken Wachstumsjahren deutlich  verlangsamen. Heuer wird mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent gerechnet. Im vierten Quartal 2008 ist die Industrieproduktion abrupt eingebrochen. „Der Konjunkturabschwung war von einem Kurssturz der Aktien börsenotierter russischer Unternehmen und einer Abwertung des Rubel begleitet”, erklärte
Bettina Selden, Vorstand bei der Prisma Kreditversicherung.

Auch die internationale Ratingagentur Fitch zeichnet derzeit ein düsteres Bild der russischen Wirtschaft: Das Land kommt wegen des Verfalls der Rohstoffpreise und der Kapitalflucht ausländischer Investoren immer mehr in Schwierigkeiten. Die Menge des Geldes, die abgezogen wird, und das rasche Schwinden der Devisenreserven belasten das Land weiter, analysierte Edward Parker von Fitch. Allein im letzten Quartal 2008 waren es nach Fitch-Angaben mehr als 90 Mrd. Dollar (71,25 Mrd. Euro), die von den Investoren abgezogen wurden. Binnen sechs Monaten hat der Rubel zum Dollar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Die Notenbank stützt immer wieder die Währung, um einen unkontrollierten Absturz zu vermeiden.

In einer im Februar 2009 präsentierten Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK wird Russland hingegen in den kommenden zwei bis fünf Jahren nach Rumänien als zweitattraktivster Markt in Osteuropa gesehen. Derzeit halten nur 11 Prozent der Unternehmen Russland für den attraktivsten Markt für Direktinvestitionen. Die Staaten Ost- und Mitteleuropas sind für österreichische Unternehmen „die natürlichen Märkte, an denen kein Weg vorbeiführt”, fasste GfK-Chef Rudolf Bretschneider die Studie zusammen, die eine Einschätzung von 100 österreichischen Managern, die bereits in Osteuropa investiert haben, repräsentiert.
 

Zitat:
Der Konjunkturabschwung war von einem Kurssturz russischer Aktien und einer Abwertung des Rubel begleitet. > Bettina Selden, Vorstand Prisma Kreditversicherung




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