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Immer mehr heimische Direktinvestitionen in CEE


12/2008
Österreich spielt in den mittel- und osteuropäischen Ländern eine immer größere Rolle als Investor.

Fast die Hälfte der gesamten österreichischen Direktinvestitionen (FDI) fließt bereits in den CEE-Raum, so eine aktuelle Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). „Die Welle geht weiter nach Osten”, erläuterte dazu Aurel Schubert, Direktor der Abteilung Statistik bei der OeNB.

Gemessen am Beschäftigungszuwachs bei den österreichischen Auslandsbeteiligungen waren die Schwerpunktländer 2006 Russland und Rumänien vor Serbien und der Ukraine. Von 3.273 erfassten Auslandsbeteiligungen lagen zu Jahresbeginn 2007 mehr als die Hälfte in der Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Von den 479.000 Auslandsbeschäftigten der heimischen Unternehmen arbeiteten 72 Prozent in Mittel- und Osteuropa. Das im Ausland investierte Kapital ist besonders ertragreich: 7,5 Mrd. Euro erwirtschafteten die österreichischen Auslandstöchter im Berichtsjahr 2006, die Eigenkapitalrentabilität lag bei 12,5 Prozent.

Die Erhebung zeigt außerdem die zunehmende Internationalisierung und Verflechtung der österreichischen Wirtschaft: Zum Jahreswechsel 2006/07 belief sich der Wert strategischer Firmenbeteiligungen von Österreichern im Ausland - bewertet zu Marktpreisen - auf 80 Mrd. Euro. Angesichts von Neuinvestitionen von mehr als 20 Mrd. Euro im Jahr 2007 dürfte dieser Wert mittlerweile die 100-Milliarden-Grenze überschritten haben, erläuterte Schubert. Erstmals wurde auch die Rolle Österreichs als „Brückenkopf” für ausländische Konzerne analysiert: Dabei zeigt sich, dass etwa ein Drittel der aktiven österreichischen Direktinvestitionen auf regionale Hauptquartiere multinationaler Konzerne zurückzuführen ist, während zwei Drittel der Investitionen von „echt österreichischen” Konzernen stammen.

Die Investitionen Österreichs konzentrieren sich wie schon seit einigen Jahren auf Ost- und Südosteuropa. Nach Deutschland mit 2,1 Mrd. Euro folgen auf den Rängen zwei bis sechs die Ukraine, Russland, Kroatien, Tschechien und Rumänien. Die meisten österreichischen Investitionen im Ausland sind marktorientiert, zielen also auf den Absatz auf dem lokalen Markt der Empfängerländer ab, berichtete Gabor Hunya vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Dies ist besonders bei Immobilien und Finanzdienstleistungen der Fall. Eine untergeordnete Rolle spielten hingegen Investitionen wegen niedrigerer Lohnkosten, die zu einer Verlagerung der Produktion führten. Selbst in Tschechien, Ungarn und der Slowakei war dies nur bei fünf bis sieben Prozent aller Investitionsprojekte das Hauptmotiv. Allerdings spielt das Lohnniveau in Rumänien eine gewisse Rolle. Laut der rumänischen Nationalbank flossen im Vorjahr rund 7,25 Mrd. Euro an FDI ins Land. Österreich war mit einem Anteil von 21,4 Prozent der größte Investor.

Es ist laut Hunya noch nicht entschieden, ob Österreichs Investitionen auf die Länder Ostmitteleuropas beschränkt bleiben, oder ob sich der regionale Akteur zum globalen Player entwickeln wird. Österreichische Investoren sind zu 60 bis 70 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese kontrollieren jedoch nur einen relativ geringen Teil des im Ausland investierten Kapitals. Da die rentabelsten Investitionsziele jenseits von Österreichs Nachbarländern liegen, könnte die geringe Firmengröße ein Hindernis für künftiges FDI-Wachstum darstellen, analysierte der Experte.

Österreich gehört nicht zur Liga der wichtigsten globalen Investoren, ist jedoch ein bedeutender regionaler Akteur in Mittel- und Südosteuropa. Die gute Ertragslage der Tochtergesellschaften erklärt den rapiden Anstieg österreichischer Investitionen vor allem in Polen und in letzter Zeit auch in den GUS-Ländern. Andere Länder, die noch keine hohen Erträge abwerfen, aber ein hohes Potenzial dafür aufweisen wie Rumänien und Bulgarien, gehören auch zu den neuen Favoriten.

Zitat:
"Die meisten österreichischen Investitionen im Ausland sind marktorientiert, zielen also auf den Absatz auf dem lokalen Markt ab."
Gabor Hunya, WIIW




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